Chronik der Laienspielgruppe Kranzberg
Bevor im Jahre 1976 ein eigener Verein zur Pflege des Laienspiels gegründet wurde, lag das Theaterspielen in den Händen des kath. Burschenvereins und der kath. Landjugend Kranzberg.
Anlässlich seiner Fahnenweihe im Jahre 1911 brachte der Burschenverein erstmals ein Theaterstück auf die Bühne. Die Komödie „die Hundswut“ soll ein großer Erfolg gewesen sein. Der bald beginnende 1. Weltkrieg zog fast alle Burschen an die Front und das Vereinsleben ruhte, ebenso wie das Theaterspielen. Aus diesem Krieg kehrten 16 junge Kranzberger nicht mehr zurück.
In den 20-er Jahre konnte sich der Verein wieder entfalten. Die Hauptaktivität war zweifelsohne das Theaterspielen. Jedes Jahr am 8. Dezember und am 25. Dezember (Stephanietag) kam auf der Bühne des Fischerwirtes ein neues Theaterstück zur Aufführung.
Aus dieser Zeit des Theaterspielens sind und nur noch die Komödien: „Der Schützenhauptmann von Lengries“, Die drei Christnächte“, „Der Postamentlmann“ und „Das blutige Edelweiß“ bekannt.
Der Beginn der Hitlerzeit entzog dem Burschenverein jede vernünftige Existenzgrundlage. Alle Veranstaltungen, Monatsversammlungen oder Theaterspiele mussten ab 1933 im Landratsamt in Freising beantragt werden. Bei einer Bearbeitungszeit von 4 Wochen und bei unsicherem Ausgang der Entscheide war es der Vorstandsschaft nur nicht mehr möglich Aktivitäten zu planen. Die Feier des 25-jährigen Bestehens beschloss das Vereinsleben der Burschen für die nächsten 12 Jahre. Sämtliche Requisiten und Theaterutensilien, wie Lampen, Kostüme und Kulissen gingen während des Krieges verloren.
Nach Kriegsende formierte sich der kath. Burschenverein unter Josef Hörl in kurzer Zeit neu und hatte im Jahr 1948/49 bereits 30 Mitglieder. Mit der Wiederkehr eines ordentlichen Vereinslebens kamen auch die ersten Theaterstücke auf die neugestaltet Bühne. Im Jahre 1949 „Lumpaci Vagabundus“. Bis 1973 wurde jedes Jahr zur Weihnachtszeit ein Theaterstück zur Aufführung gebracht. Ab diesem Zeitpunkt war es nicht mehr möglich Jugendliche für das Theaterspiel zu begeistern.
Nach der Fertigstellung des Pfarrstadl im Jahr 1975 und dem Ausbau der darin befindlichen Bühne, sowie durch die tatkräftige Unterstützung des damaligen Ortspfarrers Gabriel Kreuzer, ging die Organisation und Durchführung von Theaterveranstaltungen von der Jugend in die Hände der „Laienspielschar“ über. In ihr schlossen sich ehemalige Burschen, Mitglieder der Landjugend und alle Kranzberger, die gern Theater spielten, zusammen.
Die Gründungsversammlung fand im Oktober 1976 statt und schon 6 Monate später konnte die Laienspielgruppe unter der Regie von Pfarrer Kreuzer einen großen Erfolg mit dem Nestroystück „Lumpaci Vagabundus“ feiern. Seit dieser Zeit wird in Kranzberg regelmäßig Theater gespielt.
Neben dem Theaterspiel und bei ständiger Verbesserung der Bühne entfaltete die Laienspielschar ein Vereinsleben, das mit Tanzrunden, Ausflügen, Theaterbesuchen und Festen bald eine Bereicherung für die ganze Gemeinde darstellte.
Im Jahr 1979 vollzog sich dann ein Wechsel im Amt des Spielleiters: Otto Gruber, der bereits Requisiteur und Bühnenmaler der Laienspielgruppe war, konnte als neuer Regisseur gewonnen werden.
Der wohl größte Erfolg in der Vereinsgeschichte war das Schelmenstück „Der Holledauer Schimmel“ von Johannes Lippl im Jahr 1987 bei dem 28 Spieler mitwirkten.
Im Juni 1980 bekam die Laienspielgruppe Kranzberg kollegialen Besuch aus Wien. Die Theatergruppe Team 65 brachte Nestroys „Zettelträger Papp“, Frühere Verhältnisse“ und Die schlimmen Buben“ zur Aufführung.
Das erste Auslandsgastspiel der Laienspielgruppe Kranzberg fand 1982 in Wien statt. Zur Aufführung kam das Stück „Die Brautschau“ von Ludwig Thoma. Im Mai 1991 spielte die Theatergruppe im Rahmen der kleinen Schloßspiele im Schloß Neuwaldegg in Wien „Die kleinen Verwandten“ von Ludwig Thoma. Im September 1991 war ein weiteres Mal eine Gruppe der Laienspieler zu Gast in Wien beim Team 65 und brachte „Der Firmling“ von Karl Valentin zur Aufführung.
Dank der vielen Aktivitäten von Josef Riedl, der über 30 Jahre als Vorstand die Geschicke des Vereins leitete, ist die Laienspielgruppe aus dem kulturellen Leben der Gemeinde Kranzberg nicht mehr weg zu denken.