Ein mehrteiliger Bericht - Teil 1: Überblick über die Geschichte des Gerichts Kranzberg

Der Fischerwirt - das ehemalige Landgericht
Mit der Vergangenheit Kranzbergs als Sitz eines Pflegamtes und Gerichtes wollen wir uns in dieser und der nächsten Ausgabe beschäftigen. Ein in den zwanziger Jahren verfaßter Artikel (Frigisinga V 4ff., 1928) läßt interessante Einblicke in die Gerichtspraxis des 17. und 18. Jahrhunderts zu. Zuerst aber soll ein Ü berblick über die Geschichte des Gerichts Kranzbergs gegeben, in der nächsten Ausgabe dann anhand eines Inventarberichts der gerichtliche Alltag beleuchtet werden.
Die älteste sichere Kunde von einem Pflegamt und Richter in Kranzberg erhalten wir von einem zwischen 1222-1226 angelegten Steuerregister. Bei der ersten Landesteilung 1255 wurde Kranzberg dem niederbayerischen Landesteil zugeschlagen. Das Kranzberger Pflegamt hatte einen ziemlich bedeutenden Umfang: Es erstreckte sich in westöstlicher Richtung von Dachau bis Moosburg, in nordsüdlicher von Pfaffenhofen bis in die Gegend von Garching. Eingeteilt war es in fünf Unterämter: Allershausen, Indersdorf, Tünzhausen, Langenbach und das "Unteramt auf dem Gfäll" (bei Garching).
Bis zur Wiedervereinigung der bayerischen Herzogtümer nach dem Landshuter Erbfolgekrieg 1504-1506 begegnen uns hauptsächlich niederbayerische, danach auch oberbayerische Adlige als Pfleger von Kranzberg. In der Spätzeit des Gerichts Kranzberg nahmen die Aufgaben der Pfleger oft sogenannte Pflegverwalter oder Vizepfleger wahr. Im Gegensatz zu den Pflegern waren die Richter wohl durchgehend bü rgerlicher Herkunft.
Mit den Umwälzungen im Zusammenhang der Napoleonischen Kriege war auch das Ende des Landgerichts Kranzberg gekommen, wie man heute noch auf der Tafel an der Südseite des heutigen Fischerwirtes lesen kann:
"Gebäude des ehemaligen herzoglich bayerischen Pfleg- und Landgerichts Kranzberg, welches nach vielhundertjährigem Bestande am 4. Februar 1804 aufgelöst und dem Landgericht Freising einverleibt wurde."